Sunday, May 9, 2010

Schmetterlinge bestimmen künftig das Klima

Meeresforscher Professor Peter Lemke, Mitglied des Weltklimarates, kritisiert seinen Chef, Rajendra Pachauri. Der hätte die Fehler sofort eingestehen und auf der Internetseite des Weltklimarates korrigieren sollen. WELT ONLINE sprach mit dem Wissenschaftler über die Schwierigkeiten der Klimaprognostik.

Mit mehr als 90 Prozent Wahrscheinlichkeit ist der größte Teil der Erwärmung der letzten 50 Jahre vom Menschen verursacht, sagt der Meeresforscher Professor Peter Lemke

WELT ONLINE: Was muss der Weltklimarat tun, um wieder glaubwürdig zu werden?

Peter Lemke: Ich will betonen, dass sich durch die zwei Fehler im Bericht des Weltklimarates IPCC die Gesamtaussage in keiner Weise verändert hat. Nach wie vor gelten alle Projektionen bis zum Ende des Jahrhunderts – sowohl im Hinblick auf die Erderwärmung als auch die Eisschmelze.

WELT ONLINE: Die Behauptung, dass die Gletscher des Himalaja 2035 abgeschmolzen sein werden, war aber falsch?

Lemke: Ja, das ist ja gerade einer der beiden Fehler. In der Abschätzung eines russischen Forschers hatte es ursprünglich 2350 geheißen. Ein Zahlendreher führte dann zu 2035, was natürlich Quatsch ist. Es waren allerdings IPCC-Wissenschaftler, die als erste auf diesen ärgerlichen Fehler hingewiesen haben. Bei der zweiten falschen Zahl ging es darum, wie viel Prozent von Holland zurzeit unter dem Meeresspiegel liegt. Hier hatten niederländische Behörden einen falschen Wert an das IPCC übermittelt. Doch diese Zahl spielt ja wirklich nur eine Statistenrolle. Der 3000 Seiten dicke Bericht des Weltklimarates enthält einige 100.000 Zahlen – und von denen waren zwei eher nebensächliche falsch.

WELT ONLINE: Dennoch haben diese Fehler weltweit für Empörung gesorgt. Wie konnte das geschehen?

Lemke: Das eigentliche Problem war die Reaktion des IPCC-Vorsitzenden Rajendra Pachauri auf die Fehler.

WELT ONLINE: Was hat er falsch gemacht?

Lemke: Er hat fatalerweise zunächst behauptet, dass es gar keine Fehler gibt und die Kritiker sogar der Voodoo-Wissenschaft bezichtigt. Das war sehr unbedacht und hat dem Weltklimarat sehr geschadet. Richtig wäre es gewesen, die Fehler sofort einzugestehen und auf der Internetseite des Weltklimarates IPCC zu korrigieren.

WELT ONLINE: Einige Klimaforscher haben deshalb den Rücktritt Pachauris gefordert. Vertreten auch Sie diese Position?

Lemke: Die Verfahren des IPCC werden im Moment von einer unabhängigen Internationalen Akademie, dem sogenannten InterAcademy Council, begutachtet. Bis zum Herbst wird der Bericht vorliegen. Dann werden die notwendigen Konsequenzen gezogen. Das könnte die Forderung nach einem Rücktritt beinhalten. Es wäre denkbar, dass der Weltklimarat eine Verfassung oder Satzung erhält, die Arbeitsabläufe zwischen dem Chair und den Co-Chairs definiert. Bislang gibt es hier keine Strukturierung. Der Chef des Weltklimarates ist vielmehr von allem anderen losgelöst. Er kann eigentlich machen, was er will.

http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article7536004/Schmetterlinge-bestimmen-kuenftig-das-Klima.html

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